Der Anfang

Michelangelo Adam

Ein Deckenbild der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo Buonarroti (1475-1564) zeigt die Erschaffung Adams.

Mit dem Urknall entstanden Raum und Zeit. Auf dem dritten von neun Planeten, die um einen Stern kreisen, erscheint vor etwa Einhunderttausend Jahren der Homo sapiens sapiens. Er hat inzwischen den Mond betreten: "Thatīs one small step for man, one giant leap for mankind" (Neil Armstrong 1969). Raumsonden landen auf den Planeten und Monden unseres Sonnensystems, Teleskope blicken immer tiefer ins All.

Was war am Beginn der Zeit, wo ist der Ursprung? Alte Überlieferungen der Menschen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen versuchen eine Antwort zu geben. Aus verschiedenen Kulturkreisen folgt hier eine kleine Auswahl:


Ausführliche Informationen zu diesen Quellen findet man im Internet unter Links

GENESIS


(1. Buch Mose)

1. Kapitel Licht und Himmelsgewölbe

1. Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

2. Die Erde war wüst und leer, Finsternis lag über der Urflut, und der Geist Gottes schwebte über den Wassern.

3. Da sprach Gott: "Es werde Licht!" Und es ward Licht.

4. Gott sah, dass das Licht gut war. Da trennte Gott Licht von Finsternis.

5. Gott nannte das Licht Tag, die Finsternis aber Nacht. Es ward Abend, und es ward Morgen: ein Tag.


Evangelium nach Johannes

Prolog

1.Kapitel

1.Im Anfang war der Logos (das Wort), und der Logos war bei Gott und Gott war der Logos.

2.Dieser war im Anfang bei Gott.

3.Alles ist durch ihn geworden, und ohne ihn ward auch nicht eines von dem, was geworden.

4.In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

5.Das Licht leuchtet in der Finsternis, die Finsternis aber hat es nicht ergriffen.


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Der Heilige Koran

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.

2. Die Kuh (Al-Baqarah).

117. ...Wenn Er eine Sache beschließt, so sagt Er nur zu ihr: "Sei!" und sie ist.

7.Die Höhen (Al-Aàraf).

54.Seht, euer Herr ist Allah, Der die Himmel und die Erde in sechs Tagen erschuf, (und) Sich alsdann (Seinem) Reich majestätisch zuwandte: Er lässt die Nacht den Tag verhüllen, der ihr eilends folgt. Und (Er erschuf) die Sonne und den Mond und die Sterne, Seinem Befehl dienstbar. Wahrlich, Sein ist die Schöpfung und der Befehl! Segensreich ist Allah, der Herr der Welten.

27. Die Ameisen (An-Naml).

64. Wer ruft denn zum Beginn die Schöpfung hervor und wiederholt sie hierauf, und wer versorgt euch vom Himmel und von der Erde?...

29. Die Spinne (Al-Ankabüt).

19. Sehen sie denn nicht, wie Allah die Schöpfung hervorbringt und sie dann wiederholt? Das ist wahrlich ein leichtes für Allah.

35. Der Ausgangspunkt der Schöpfung (Fátir).

1. Alles Lob gebührt Allah, dem Schöpfer der Himmel und der Erde, Der die Engel, mit je zwei, drei und vier Flügeln, zu Boten gemacht hat. Er fügt der Schöpfung hinzu, was Ihm gefällt; Allah hat wahrlich Macht über alle Dinge.

13. Er lässt die Nacht in den Tag und den Tag in die Nacht übergehen. Und Er hat (euch) die Sonne und den Mond dienstbar gemacht; ein jedes (Gestirn) umläuft seine Bahn auf eine bestimmte Zeit. Dies ist Allah, euer Herr; Sein ist das Reich, und jenen, die ihr statt Ihm anruft, gehört noch nicht einmal Macht über das Häutchen eines Dattelkerns.

16.Wenn Er will, kann Er euch hinwegnehmen und eine neue Schöpfung hervorbringen.

65.Die Trennung (At-Taláq).

12.Allah ist es, Der sieben Himmel erschuf und von der Erde die gleiche Anzahl. Der Befehl steigt zwischen ihnen herab, auf dass ihr erfahren möget, dass Allah über alle Dinge Macht hat und dass Allahs Wissen alle Dinge umfasst.


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LAO-TSE    TAO TÊ KING

XXV

Es gibt ein Wesen, unbegreiflich, vollkommen, vor Himmel und Erde entstanden.

So still!, so gestaltlos!

Es allein beharrt und wandelt sich nicht. Durch alles geht es und gefährdet sich nicht. Man kann es ansehen als der Welt Mutter. Ich kenne nicht seinen Namen.

Bezeichne ich es, nenne ich es: Tao.
Bemüht, ihm einen Namen zu geben, nenne ich es: Groß.

Als groß nenne ich es: Fortgehen,
Als fortgehen nenne ich es: Entfernt,
Als entfernt nenne ich es: Zurückkehren.

Denn Tao ist groß, der Himmel ist groß, die Erde ist groß, der König ist auch groß.

In der Welt gibt es vier Große, und der König ist von ihnen einer.

Des Menschen Richtmass ist die Erde, der Erde Richtmass ist der Himmel, des Himmels Richtmass ist Tao, Taos Richtmass ist sein Selbst.


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Popol Vuh  Das Buch des Rates

Erster Teil  Schöpfung und Heldenleben

Die Schöpfung

Das ist die Kunde:

Da war das ruhende All. Kein Hauch. Kein Laut. Reglos und schweigend die Welt. Und des Himmels Raum war leer.

Dies ist die erste Kunde, das erste Wort. Noch war kein Mensch da, kein Tier. Vögel, Fische, Schalentiere, Bäume, Steine, Höhlen, Schluchten gab es nicht. Kein Gras. Kein Wald. Nur der Himmel war da.

Noch war der Erde Antlitz nicht enthüllt. Nur das sanfte Meer war da und des Himmels weiter Raum.

Noch war nichts verbunden. Nichts gab Laut, nichts bewegte, nichts erschütterte, nichts brach des Himmels Schweigen. Noch gab es nichts Aufrechtes. Nur die ruhenden Wasser, das sanfte Meer, einsam und still. Nichts anderes.

Unbeweglich und stumm war die Nacht, die Finsternis. Aber im Wasser, umflossen von Licht, waren diese: Tzakól, der Schöpfer, Bitól, der Former; der Sieger Tepëu und die Grünfederschlange Gucumátz; Alóm auch und Cahalóm, die Erzeuger. Unter grünen und blauen Federn waren sie verborgen, darum sagt man Grünfederschlange. Große Weisheit und große Kunde ist ihr Wesen. Darum gab es den Himmel und des Himmels Herz, dessen Name ist Cabavil, Der-im-Dunkeln-sieht. So wird berichtet.

In Dunkelheit und Nacht kamen Tepëu und Gucumátz zusammen und sprachen miteinander. Also sprechend berieten sie und überlegten: sie kamen überein und ihre Worte und Gedanken glichen sie aus. Und sie erkannten, während sie überlegten, dass mit dem Licht der Mensch erscheinen müsse. So beschlossen sie die Schöpfung und den Wuchs der Bäume und Schlingpflanzen, den Beginn des Lebens und die Erschaffung des Menschen. So wurde entschieden in Nacht und Finsternis vom Herzen des Himmels, Huracán genannt.

Seine erste Erscheinung ist der Blitz, Cakulhá. Seine zweite der Donner Chipi Cakulhá. Seine dritte der Widerschein Raxa Cakulhá. Diese drei bilden das Herz des Himmels.

Es trafen sich also Tepëu und Gucumátz und sprachen von Leben und Licht; von Helle und Dämmerung; und wer Nahrung schaffen würde und Unterhalt.

"Es geschehe! Es fülle sich die Leere! Weichet zurück ihr Wasser, und gebet Raum, dass die Erde aufsteige und sich festige!"

So sprachen sie.

"Es werde Licht! Dass Himmel und Erde sich erhellen! Nicht Ruhm noch Größe wird sein, bis der Mensch erscheint, bis der Mensch geschaffen."

So sprachen sie.

Darauf schufen sie die Erde. Die Wahrheit ist, dass sie die Erde schufen. "Erde!" sagten sie, und im Augenblick war sie geschaffen.

In Nebel, Wolken und Staub geschah die Schöpfung, als die Berge sich aus den Wassern erhoben, und sogleich wuchsen die Berge.

Nur durch ein Wunder, durch Zauber wurden die Berge und Täler geschaffen. Und zugleich sprossten Zypressen und Tannen und bedeckten der Erde Antlitz.

Freude erfüllte Gucumátz und er sprach: "Heil brachte dein Erscheinen, Herz des Himmels. Du Huracán! Du, Chipi Cakulhá! Du, Raxa Cakulhá!"

"Unser Werk, unsere Schöpfung wird beendet werden" sagten sie.

Zuerst bildete sich die Erde mit Gebirgen und Tälern. Es teilten sich die Wasser. Die Bäche liefen frei zwischen den Hügeln, und die Wasser teilten sich, als die hohen Gebirge erschienen.

So geschah die Schöpfung der Erde, als sie geformt wurde vom Herzen des Himmels, vom Herzen der Erde, wie jene genannt werden, die sie zuerst befruchteten, als der Himmel noch ruhte und die Erde unter den Wassern verborgen war.

So wurde das Werk vollendet, das sie vollbrachten nach reiflicher Überlegung.


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Upanishaden

AUS DER BRÂHMANAZEIT

SHATAPATHA-BRÂHMANA

Schöpfungsmythe im Anschluss an die Feuerschichtung

Nicht war diese Welt am Anfange nicht; nicht war sie. Diese Welt war am Anfange, und sie war nicht: es war nur der Geist, der existierte(Manas).

Darum wurde von einem Propheten gesagt: "Nicht gab es damals Sein noch Nichtsein."; denn der Geist war nicht Sein und war nicht Nichtsein.

Das Brahman und die Götter

Die Welt war anfangs Brahman. Es schuf die Götter und nach ihrer Schöpfung setzte es sie einzeln in die Welten ein, in diese Welt den Agni, den Vâyu in den Luftraum, an den Himmel die Sonne.

In die Welten, welche höher als diese (drei) waren, setzte es die Götter ein, welche höher als diese (drei) waren. So wie hier die Welten sichtbar sind und ihre Götter, so sind jene Welten und deren Götter, welche er in sie einsetzte, sichtbar.

Das Brahman aber selbst ging nach der entgegengesetzten Seite. Nach der entgegengesetzten Seite gegangen, überlegte es: "Wie möchte ich in diese Welten wieder hinabgehen?" Es ging mittels zweier Dinge, nämlich mittels Name und Gestalt in sie wieder hinab. Was immer einen Namen trägt, das ist eben Name; was aber keinen Namen trägt und, indem man sagt, "diese Gestalt ist das", an seiner Gestalt erkennbar ist, das ist Gestalt. So weit reicht diese Welt, wie Name und Gestalt.

Das sind die beiden großen Mächte Brahmans. Wer diese beiden Mächte kennt, wird zur großen Macht.

Das sind die beiden großen Geheimkräfte Brahmans. Wer diese beiden großen Geheimkräfte Brahmans kennt, wird zur großen Geheimkraft. Von diesen beiden ist eins das wichtigere, die Gestalt. Denn auch was Name ist, ist Gestalt. Wer das wichtigere von beiden kennt, wird wichtiger als der, dem er überlegen zu werden wünscht.

Die Götter waren anfangs sterblich. Als sie durch das Brahman es erreichten, wurden sie unsterblich. Wenn er dem Geist ein Gussopfer bringt - Geist ist Gestalt, durch den Geist erkennt er: "das ist diese Gestalt" -, dadurch erlangt er die Gestalt. Wenn er der Rede ein Gussopfer bringt - Rede ist Name, durch die Rede erfasst er den Namen -, dadurch erlangt er den Namen. So weit reicht dies All, wie Name und Gestalt. Das alles erlangt er. Das alles ist unvergänglich. Dadurch wird ihm unvergängliches gutes Werk, unvergängliche Welt zuteil.


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